JOBO-FILM

Reiseerlebnisse aus vielen Ländern der Erde

 Südindien – das Land, wo der Pfeffer wächst 

Karnataka, Kerala, Tamil Nadu

Start der Rundreise im Staat Karnataka ist die Hauptstadt Bangaluru. Wir fahren westlich nach Hassan zu den beiden Hoysala-Tempeln in Hallebid und Belur. In Somanathpur besuchen wir den dritten und vollkommensten Tempel der Hoysala-Dynastie. Mysore die wunderschöne Stadt der Gärten steht auf dem Besuchsprogramm. In Serpentinen geht es hinauf in die Höhe von 2300m nach Ooty. 14 Haarnadelkurven führen hinab nach Cochin. Entlang der Westküste fahren wir nach Allepey dem Startpunkt der Backwater-Tour. In den Cardamom-Bergen liegt das Naturschutzreservat am gleichnamigen Periyar-Stausee. Weiter Richtung Osten geht die Fahrt nach Madurai und Chetinad. Nächster Halt ist die Festungsstadt Trichy am Ufer des heiligen Flusses Cauvery. Thanjavur war einst Hauptstadt der Chola Könige. Entlang der Ostküste geht es in die ehemalige französische Kolonie Puduycherry und schließlich zu den monolithischen Tempeln in Mamallapuran. Das Ziel erreichen wir in Chennai.

 

Nach 8,5 stunden Flugzeit erreicht man Bangaluru von Frankfurt im Direktflug. Die Industriestadt Bangaluru hat wenig touristisches zu bieten. Inzwischen mit den Vororten auf 7 Millionen Einwohner gewachsen ist sie die IT-Stadt Indiens mit dem Attribut “Silicon Valley”. Die Briten schätzten die 1000m hoch gelegene Stadt wegen ihres angenehmen Klimas. Neben dem Regierungspalast liegt mitten in der Stadt der Golfplatz. Wir verlassen Bangaluru Richtung Westen nach Hassan.

 












Der Shivara-Tempel in Hallebid ist Gott Shiva geweiht. Die sternförmige Tempel-Anlage zeichnet sich durch eine unglaubliche Vielzahl aus in Speckstein gehauenen Tier- und Figurdarstellungen aus. In einem Seitenbau ruht das Reittier Shivas, der Bulle Nandi. Indiens Götterwelt ist schwer verständlich. Jeder der Hindu-Götter hat mehrere Erscheinungsbilder und ein Reittier. Die Außenfassade des Tempels ist reich verziert. Tausende von Elefanten, Löwen, Pferde, menschliche Gestalten, Fabelwesen und zuletzt Götter ziehen sich in Ebenen um den gesamten Tempel. Jede Figur ein Unikat! Um 1000 n.Chr. wurde mit dem Tempel begonnen und nach 150 Jahren Bauzeit 1152 n.Chr. vollendet. Nach anfänglichem Drehverbot mit der großen Kamera und Stativ konnte noch ein Kompromiss mit Handführung erreicht werden. Im Garten steht die Statue des elefantenköpfigen Gottes Ganesha, einer der Söhne Shivas.

























Belur war neben Hallebid die erste Hauptstadt der Hoysala König im 11. - 13. Jhd. Durch den mächtigen Gopuram betritt man den Tempel. Der dem Gott Vishnu geweihte Tempel Chenna-Keshava wurde in der Hochblüte der Hoysala-Architektur 1137 n.Chr. errichtet. Keshava ist eine der 24 Erscheinungsformen von Vishnu. Die 110m mal132 m große Anlage ist von einer Mauer zum Schutz vor kriegerischen Angriffen umgeben. Neben dem Haupttempel finden sich kleinere Anlagen, der Göttin der Schönheit und der Göttin der Künste gewidmet. An diesem Tag finden spezielle Zeremonien statt, die dem Sammeln neuer Spenden dienen. Die Außenfassade bietet eine Fülle von Reliefs, Skulpturen, Göttern und Fabelwesen. Unter dem Dachansatz sind 42 weibliche Gestalten in anmutiger Pose zu erkennen Jede der reich verzierten Säulen im Inneren ist ein Unikat. 103 Jahre arbeitete man an der Fertigstellung des Tempels. Die prächtigen Verzierungen um die sternförmige Anlage machen ihn zum schönsten Sakralbau der Hoysalas. Den unteren Teil dieses Bauwerks schmücken Elefanten- und Löwendarstellungen, die einerseits für Stabilität andrerseits für Stärke stehen. Darüber finden sich die Schönheit symbolisierende Verzierungen und darüber eine Vielzahl von Götterfiguren und Fabelwesen. Das Allerheiligste darf nur von Priestern betreten werden, die gegen eine Spende für den Geldgeber beten.














Der nächste Tag führt uns nach Mysore entlang von Reis- und Zuckerrohrfeldern. Zunächst besuchen wir in Somanathpur den Keshava Tempel, den dritten und vollkommensten Tempel der Hoysala Dynastie, der Vishnu geweiht ist. Auf einem ebenfalls sternförmigen Grundriss finden sich in der Mitte drei Heiligtümer mit einer gemeinsamen Tanzhalle. Neben den drei Heiligtümern sind besonders die reich verzierten Säulen und die Decken, die Bananen- und Lotusblüten aus Speckstein darstellen, sehenswert. Ringsherum finden sich 64 Zellen und Nebentempel. Wie bei den anderen Hoysala-Tempeln finden sich Reliefs in mehreren Reihen übereinander: Elefanten, Pferde, Girlanden, Geschichten aus zwei Epen. Der Tempel stammt aus dem 13. Jahrhundert ist aber nicht mehr aktiv, da ein Tempel, der teilweise zerstört ist, seine Heiligkeit verliert. Nach einer Legende entstand die Zerstörung dadurch, dass dieser wunderschöne Tempel, der für die Leute aus dem Ort gebaut wurde, den Neid der Götter hervorrief die diesen Tempel in den Himmel nehmen wollten. Die Steinmetze hatten die Idee, etwas zu zerstören, um so das Interesse der Götter an dem Tempel zu vernichten. Unterwegs halten wir in einem typischen kleinen Dorf an, um einen Eindruck vom täglichen Leben der Landbevölkerung mitzunehmen. 

Die 750m hoch gelegene wunderschöne Stadt Mysore ist die zweitgrößte des Bundeslandes Karnataka. Die ehemalige Hauptstadt hat sich ihren Charme erhalten. Industrien werden außerhalb des alten Stadtkerns angesiedelt. Hoch über der Stadt liegt der reich verzierte Chamundi-Tempel. Der ursprüngliche Name geht auf ein mythologisches Ereignis zurück. Die Göttin Durga, auch Chamundi genannt, hat hier den Dämon Maheshasura nach neun Tagen währendem Kampf getötet. Sie erfüllte ihm den letzten Wunsch, die Stadt nach ihm zu benennen. Sie ist die Schutzgöttin der Stadt und der ehemaligen mächtigen Maharaja. Vom Chamundi Hill hat man einen guten, wenn auch etwas diesigen Blick auf die Stadt, mit der riesigen Pferderennbahn. Das Gästehaus des Maharaja sieht aus wie das Kapitol und beherbergt heute ein Hotel. Am westlichen Abhang ist der berühmte, aus einem Felsblock gehauene Bulle Nandi zu bewundern.






















Der Obst- Gemüse und Blumenmarkt lockt durch seine Vielzahl von Farben und Düften. Neben einheimischen Gewürzen und Gemüsen finden sich Stücke aus Zuckerrohr und Blumengirlanden als Schmuck für die Frauen und Götter.


Eine Feuersbrunst zerstörte 1897 den Holzpalast der Maharaja. Der neue riesige Palast mit der goldenen Kuppel wurde 1912 fertiggestellt. Hier findet sich eine Mischung aus allen Kulturen und Stilelementen. Im Inneren ist fotografieren verboten, so dass der prächtige Pfauensaal, die großartigen Empfangssäle und die Galerien mit den Bildern der Schlacht gegen den mohammedanischen Fürsten nur im Gedächtnis bleiben. Jeden Sonntag um 19 Uhr erstrahlen am Palast die Lichterketten.

 Neben den Einheimischen verstehen es auch die Kühe sich fotogen in Szene zu setzen.

Für die anschließende Fahrt in das 160 km entfernte Ooty benötigen wir fünf Stunden. Dies hat nicht nur mit den teilweise chaotischen Straßen zu tun, sondern vielmehr damit, dass die ehemalige britische Kolonialstadt 2200 m hoch in den Bergen liegt. Die Fahrt bietet allerdings viel Interessantes. Eine Vielzahl von Affen begleiten immer wieder unseren Bus als wir durch das Naturreservat fahren. Streifenhörnchen und die hier ansässige Rehart sind zu sehen, die Attraktion bieten aber eine Elefantenkuh mit ihrem Jungen, die plötzlich neben der Straße auftaucht. 















Ab einer Höhe von 800 m beginnt der Kaffeeanbau. Die Pflanzen wachsen geschützt unter Bäumen. Kommt es während der Blüte zu Regenfällen, ist die Ernte für das ganze Jahr vernichtet. Die Pfefferpflanze rankt sich an den Bäumen in die Höhe. Je nach Reifegrad ergibt sich die charakteristische Farbe und der Geschmack. Heute ein selbstverständliches Gewürz, war er früher im Wert vergleichbar mit Gold. Bis in endlose Höhen reichen die Teeanpflanzungen, beschattet durch Silbereichen. Im Anschluss daran findet sich ein Eukalyptuswald. Bei rund 2000 Metern liegen die Terrassen für den Gemüseanbau. Schließlich erreichen wir durchgeschüttelt unser Hotel und sind hier froh über eine heiße Tasse Tee bei den ungewohnt kühlen Temperaturen.











































Auf der Weiterfahrt besuchen wir noch den wunderschönen botanischen Garten, der liebevoll in die hügelige Landschaft integriert wurde. Hier wachsen Vanille, Kakao und Muskat.











































Auf der Spitze hat sich das alte Bergvolk der Toda zurückgezogen. Gegen ein kleines Entgelt lassen sie uns ihre Dorfgemeinschaft besuchen. Der Tempel darf nur durch den Priester betreten werden. Die 3 Steinkugeln davor dienen zur Prüfung für die Heiratsfähigkeit junger Männer. Es gilt: wer die Kugel stemmen kann, darf heiraten. Die Toda gehören zu den zahlreichen Bergstämmen in den Nilgiris. Der Büffel spielt eine große Rolle, sowohl wirtschaftlich als auch kulturell. Die strengen Vegetarier waren nicht am Fleisch, sondern an den Molkereiprodukten interessiert, die vornehmlich denn Göttern geopfert wurden. Noch etwa 1500 Toda leben hier in der Region.



Mit 14 Haarnadelkurven führt unser Weg wieder in abenteuerlicher Fahrt nach unten. Unterwegs treffen wir in einem kleinen Dorf auf eine Prozession auf den Weg zum Tempelfest mit einem geschmückten Elefanten und feurigen Tänzern.















Südindiens Straßennetz wird den Anforderungen der stärkeren Motorisierung angepasst. Begegnungen mit Elefanten werden dann allerdings auf den Schnellstraßen nicht mehr vorkommen.















In der Provinz Kerala, dem Kokospalmenland, leben 33 Millionen Einwohner. Das Land ist vorwiegend grün durch Wälder, Flüsse, Seen und Gebirge, die zwar landschaftlich schön sind, aber keine Nutzfläche darstellen. Der Bundesstaat Kerala entstand 1957 festgelegt nach der Sprache, es leben hier 56% Hindus, 24% Christen und 20%. Moslems. Seit der Staatsgründung ist Kerala immer wieder kommunistisch regiert worden. Die Menschen haben hier eine gute Schulbildung. Da sie hier aber keine Arbeit finden, wandern sie in die Emirate, USA und Europa aus und bringen ihr Geld wieder hierher zurück, weshalb Kerala ein reicher Staat ist. Übrigens herrscht in Indien, mit Ausnahme von Karnataka, keine allgemeine Schulpflicht.

Cochin besteht aus drei Teilen, der Altstadt in Fort Cochin, der Neustadt und Willingdon Island, benannt nach einem Bagger aus Großbritannien der damals die Hafeneinfahrt und mit dem Aushub die Insel schuf. Die Stadt liegt reizvoll an der Malabarküste und ist mit ihrem natürlichen Hafen einladend lieblich. Direkt am Meer liegt der alte holländische Friedhof, der 1724 geweiht wurde. 


Chinesische Fischernetze säumen die romantischen Wasserwege an der Spitze von Fort Cochin. Die spinnennetzartigen Gebilde sind ein Erbe von Händlern am Hofe Kubla Khans im 15. Jhd. Vor den pittoresken Fangnetzen bieten die Fischer täglich ihren frischen Fang feil. 1498 entdeckt Vasco da Gama den Seeweg nach Indien und eröffnet damit den Reigen europäischen Machtgerangels um das Monopol des weißen Golds, des Pfeffers. Hier an den Küsten ist er gelandet um den Gewürzhandel mit Indien auf direktem Weg und nicht mehr über Arabien abzuwickeln. Holländer und Engländer folgten seinen Spuren. 















Die älteste christliche Kirche St. Francis, wurde 1503 von portugiesischen Franziskanermönchen zunächst aus Holz gebaut. Als Vasco da Gama 1524 starb, wurde er hier zunächst beigesetzt und 14 Jahre später seine Gebeine nach Portugal überführt. Da heute Karfreitag ist, können wir einen Blick in einen anglikanischen Gottesdienst werfen. 1663 fiel die Kirche in die Hände holländischer Protestanten, und wurde schließlich 1795 von den Briten in eine anglikanische Kirche umgewandelt. 


Der morbide Charme des benachbarten Wohnviertels lädt zum Verweilen ein. Die imposante katholische Santa Cruz Basilika stammt von 1902 und ersetzt einen Vorgängerbau aus dem Jahr 1506. 



















Das Viertel Mattancherry ist nach dem gleichnamigen Palast benannt. Der Mattancherry Palast war zunächst ein Geschenk der Portugiesen zur Besänftigung des Königs, nachdem sie versehentlich einen Hindutempel zerstört hatten. 1663 gestalteten die Holländer den Palast neu, seither heißt er im Volksmund Dutch-Palace. Bemerkenswert ist die Holzdecke im Krönungssaal und einige Wandmalereien. Im ehemaligen jüdischen Viertel befinden sich viele Antiquitätengeschäfte. Am Ende einer Gasse liegt die Synagoge aus dem Jahre 1568, die älteste im Commonwealth. Ihre heutige Gestalt bekam sie im 18. Jahrhundert. Während der spanischen Inquisition fanden viele Juden hier eine Zufluchtsstätte, aber auch Juden aus Syrien und Persien ließen sich hier nieder. Der Boden der Synagoge ist mit 1100 Fließen aus Kanton ausgelegt. Seit der Gründung des Staates Israel ist die jüdische Gemeinde von Cochin erheblich geschrumpft. 






















Kein Besuch in Cochin ohne eine Kathakali Aufführung. Grell geschminkte und phantasiereich gekleidete Akteure ziehen die Zuschauer in ihren Bann. Zunächst darf man die Akteure beim Schminken beobachten. 


Menschen und Dämonen erkennt man an den Farben des Gesichtes. Grün ist die Gesichtsfarbe der Götter oder Helden. Anschließend erfolgt eine kurze Einweisung in die Mimik und Gestik, bevor der eigentliche Tanz beginnt. Durch eine unglaubliche Vielzahl an Augen- und Brauenbewegungen werden Emotionen, wie Liebe, Trauer und Gleichgültigkeit ausgedrückt dazu vielfältige geschickte Bewegungen mit den Fingern ergeben ein Tanzdrama von unglaublichem Ausdruck. Jede Fingerstellung hat ihre besondere Bedeutung. Die Ausbildung ist sehr streng und hart. Das Training körperlich unglaublich anstrengend. 














Jeden Gesichtsmuskel für sich anspannen zu können, gehört zur Kunst des Kathakali. Bis zu 8 Jahre dauert die Ausbildung. In der Hindu-Mythologie ist der Tanz eine heilige Handlung, eine Aktivität, die älter ist als die Erde selbst.














Ein weiterer Höhepunkt unserer Reise ist die Fahrt durch die Backwaters von Allepey nach Quilon mit zwei Haus-Reisbooten. Die beschauliche Fahrt führt durch enge Kanäle, vorbei an Inseln mit entlegenen Fischerdörfchen, grünen Reisfeldern und endlosen Kokospalmenhainen. Der gesamte Verkehr und Handel spielt sich auf den verschiedenartigsten Booten ab. 














Auf den Booten könnte man auch übernachten, den jedes verfügt über zwei Doppelzimmer mit Bad. 1500 km Kanäle durchziehen die Küstenebene Keralas. Sie bilden ein einzigartiges Labyrinth aus Flüssen, Seen und Kanälen. Erstaunlich ist die Qualität des Essens, das in der winzigen Bordküche zubereitet wird. Eine schmackhafte Mahlzeit aus gebratenem Zebrafisch, Hühnchen, Gemüse, Reis verschiedenen Saucen ergänzen den harmonischen und erholsamen Tag. Die Tour endet in einer wunderschönen Hotelanlage direkt am Vembanad See, der Coconut Lagoon auf der Insel Kumarakom. 














Eine neue Erfahrung war das Badezimmer halb im Freien mit verschiedenen tropischen Pflanzen. Schon Paul Mc Cartney wusste dies zu schätzen. Wenn man in der Dämmerung vor seinem Häuschen sitzt und der schwache Wind Wasserhyazinthen vor sich hertreibt, kann man allerlei Tiere beobachten. Der flinke Eisvogel war für den Kameramann allerdings nicht einzufangen. 














Schon früh am Morgen heißt es wieder Abschied nehmen von dem kleinen Paradies, denn ein reichhaltiges Programm wartet auf uns. Eine zirka vierstündige Fahrt nach Periyar führt durch die West Ghats , durch Teakholzwälder, vorbei an Kautschuk, Kaffee- und Kakaoplantagen, später Ananas und Teeplantagen.

In Pullupara wird die schöne Fahrt durch eine Reifenpanne kurzzeitig unterbrochen. Unter fachkundiger Beobachtung erledigen Fahrer und Beifahrer den Reifenwechsel ohne Hektik und mit viel Routine.  

Leider ist die Müllentsorgung noch stark zu verbessern. Es wird aber noch Generationen dauern, bis das Bewusstsein zum Abfallsammeln- und Verwerten in der Bevölkerung verankert ist. 


Hier in der Höhe wachsen Prachtexemplare der Yak-Frucht. 

















Am Nachmittag geht es dann noch auf eine Bootsfahrt. Hier im satten Grün der Cardamom Berge liegt der meistbesuchte Naturpark, das Periyar Wildlife Resort mit 777 qkm Größe. Die etwa halb so große Kernzone ist seit 1982 Nationalpark. Der Periyar Staudamm wurde 1895 von den Engländern angelegt, um den von Dürre geplagten Nachbarstaat Tamil Nadu mit Wasser zu versorgen. Noch immer sieht man die braunen Stämme der in den Fluten versunkenen Bäume aus dem Wasser ragen. Leider lassen sich bei der Bootsfahrt nicht so viele Tiere sehen wie erhofft. Gleich zu Beginn sehen wir in der Ferne eine kleine Elefantenherde, doch zu weit weg für normale Objektive. Danach sehen wir noch mehrere Horden Wildschweine und Hirsche und verschiedene Wasservögel, doch die exotischen Tiere bleiben aus. Es leben noch über 50 Tiger in diesem Park. Erst als alle Touristen die Boote verlassen haben, macht uns ein Einheimischer auf drei Elefanten aufmerksam die direkt im Anschluss an die Boote den See durchqueren.



























Wir verlassen Kerala und kommen nach Tamil Nadu, dem Zentrum südindischer Kultur, deren Ureinwohner dunkelhäutiger als die übrigen Inder sind. Die Gegend ist fruchtbar, es gedeihen Wein, Bananen, Reis, Hirse und Linsen, zudem findet man den Tamarindenbaum, den Essigbaum. Entlang des Weges fahren wir an vielen Ziegeleien vorbei. 


Der Grenzübertritt ist komplizierter als gedacht. Für den Bus aus dem fremden Bundesland wird separat Steuer abkassiert. Interessant ist auch die Wäscherei direkt am Fluss. Ob das heftige Schlagen den Wanzen oder Flöhen gilt, konnten wir nicht erfahren. 


Indien verfügt über ein gut ausgebautes Bus- und Bahnnetz. Überbleibsel aus der englischen Kolonialzeit ist der Linksverkehr.

Madurai, was Stadt des Nektars bedeutet, soll laut Legende von Shiva selbst gegründet worden sein. Einen guten Überblick hat man vom hoch gelegenen Gateway Hotel über die drittgrößte Stadt in Tamil Nadu. Zunächst besuchen wir den Tirumalai-Nayak-Palast aus dem Jahr 1636 der gerade vollständig renoviert wird. Der indo-sarazenische Bau gilt als das schönste weltliche Gebäude Südindiens. 














Mit der Fahrradrikscha erreichen wir die Hauptattraktion, den Sri Meenakshi, dem Tempel der fischäugigen Göttin, mit den mächtigen Eingangstoren, den sogenannten Gopurams. Der höchste misst 50 Meter. 














Die Tempelanlage umfasst eine Fläche von 6 Hektar. Die Stadt wurde um die Tampelanlage gebaut und die reich verzierten und geschmückten zwölf Gopurame überragen die beiden Heiligtümer für Shiva und Meenakshi. Zwischen 1550 und 1650 wuchs der Tempel zu seiner heutigen Größe. Ein spektakuläres Sammelsurium drawidischer Architektur. Er  wird täglich von bis zu 10.000 Pilgern besucht. Im Saal der 1000 Säulen zeigen meisterhaft aus Stein gemeißelte Säulen Bilder der Götter, dazu findet man fein gearbeitete Bronzestatuen. Mitten im Tempelbezirk liegt der Lotusteich. Wie in jedem Tempel findet sich auch hier ein Tempelelefant der gegen eine Spende den Geber segnet. 









































War die Fahrt mit der Fahrradrikscha schon aufregend, war sie doch kein Vergleich zur Fahrt mit der Autorikscha, dem Tuck-Tuck. Die Fahrt vom Gateway Hotel durch den wild pulsierenden Verkehr ist nichts für schwache Nerven. Trotzdem erreichten wir alle sicher die abendliche Zeremonie in der Shiva in einer kleinen Sänfte zur Nachtruhe ins Heiligtum von Meenakshi gebracht wird.

Wir verlassen Madurai vorbei am Elefantenfelsen und finden mitten in der Landschaft einen weiteren Tempel mit vorgelagertem Lotusteich, der von den Anwohnern zum Baden und Waschen genutzt wird. Von Madurai geht die Fahrt weiter nach Chetinad














Die Gegend hier ist nicht besonders fruchtbar, so kamen die Menschen hier einst auf die Idee, mit Teakholz aus Burma zu handeln. So entstand die Chetiar Händlerkaste, der der Teakholzhandel Reichtum und Wohlstand einbrachte. Auch wenn sie oft im Ausland oder heute in den Großstädten leben, erbauten sie hier riesige prachtvolle mit Teakholz geschmückte Kaufmannshäuser. Die Festungsstadt Trichy liegt am Südufer des heiligen Flusses Cauvery. Um die Felsenfestung Rock-Fort gruppiert sich die Altstadt. 














In der Zwillingsstadt Srirangam befindet sich mit 850 x700m der größte Vishnu-Tempel Indiens, der eigentlich eine eigene Stadt ist. Sieben Umfassungsmauern umgeben. Wohnviertel, Basare und Tempel. 21 Gopurams, die früher auch als Speicher dienten, ragen in den Himmel, der höchste ist 73 m hoch und wurde erst 1987 fertig gestellt. Die Heiligkeit nimmt von Hof zu Hof zu. Das Allerheiligste schließlich, der Tempel mit der goldenen Kuppel, wo Vishnu verehrt wird, ist den Touristen verschlossen. Am Krishna Tempel aus dem 12. Jahrhundert sind an der Fassade feine Steinskulpturen zu bewundern. Von hier führt eine Treppe zur Aussichtsterrasse, wo man einen herrlichen Überblick über die ganze Anlage hat. Auffällig ist der einzige nicht bemalte Gopuram, der sich als Ausgangspunkt von Prozessionen von den anderen absetzt. Gegenüber der Halle der 1000 Säulen liegt der einmalige Pferdehof, eigentlich eine Pfeilerhalle mit fantasievoll gestalteten Granitsäulen und sich aufbäumende Pferde über herrlichen Darstellungen. Neben der geistigen Erbauung darf natürlich das leibliche Wohl nicht vergessen werden. Die meisten Hindus sind Vegetarier. Entsprechend ist das Angebot mit Gemüsen, immer pikant gewürzt mit Kräutern und Chili.




 



























Inmitten der fruchtbaren Reislandschaft liegt Thanjavur, die alte Hauptstadt der zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert mächtigen Chola Dynastie. Die Chola Könige gingen als Bauherrn in die Geschichte ein. Nach jedem Sieg ließen sie einen Tempel bauen. Sie waren zu jener Zeit die mächtigsten und kunsthistorisch bedeutendste Dynastie. Eine riesige Mauer umschließt den Brihadishvara Tempel aus dem 10. - 11. Jahrhundert. Bei dem UNESCO-Weltkulturerbe ist es kein Gopuram, der alles überragt, sondern der gewaltige 66m hohe Tempelturm, gekrönt von einem 80t schweren Granitblock. Über eine 6 km lange Rampe zog man den Koloss an die Tempelspitze. Vor dem Shiva-Heiligtum ruht eine Nandi-Statue aus schwarzem Granit. Sein Blick ist auf das Sanktuarium gerichtet, in der sich ein 3,5 m hohes Lingam befindet. Der phallische Kultstein gilt als Symbol der Schöpfungskraft Shivas. Von großer Kunstfertigkeit zeugen die Steinmetzarbeiten am Haupttempel. An den Wänden der Wandelhalle sind noch Reste von Wandmalereien zu sehen. Neben den Göttern verehren die Hindus auch die Natur. Immer wieder trifft man auf Baumheiligtümer. Leider haben wir keine Zeit zum Ausruhen. Weiter geht die Fahrt Richtung Ostküste.




















































Gangaikonda Cholapuram ist eine historische Stätte am Rande des Cauveri-Deltas. Vom Chola Herrscher Rajandra I. 1012 – 1044 erbaut. Zum Weltkulturerbe der UNESCO wurde der Brihadishvara-Tempel nach gründlicher Instandsetzung 2004 ernannt. Die Außenfassade ist überladen mit Skulpturen hoher handwerklicher Bildhauerkunst der Chola-Zeit. 














Einen Teil der Straße nutzen die Erdnussbauern zum Trocknen. In mühseliger Handarbeit werden die Nüsse gezupft. Arbeit für die ganze Familie. Die Motorisierung nimmt immer stärker zu. Noch ist das Motorrad das meist benutzte Verkehrsmittel, wird aber durch den neuen einheimisch gebauten Kleinwagen in den nächsten Jahren abgelöst. Der Ausbau der Verkehrswege wird deshalb in Südindien sehr stark vorangetrieben. 














Als ehemalige französische Kolonie zeigt Puducherry noch den alten Charme mit breiter Strandpromenade und prächtigen Kolonialvillen mit französischem Flair. Auch die alten Straßennamen sind noch erhalten. Das Unionsgebiet Puducherry wurde von 1674 - 1954 von den Franzosen beherrscht. Die Stadt teilt sich in die weiße Stadt der Franzosen und die schwarze Stadt der Einheimischen. Im Ashram von Sri Aubindo begegnen sich die uralte spirituelle Tradition Indiens und westlicher Wahrheitssucher. Auroville wurde 1968 von der Gefährtin des Sri Aubindo gegründet, der hier eine Vereinigung des menschlichen mit dem Göttlichen herstellen wollte. Die Idee war, dass hier alle Menschen jeder Hautfarbe, jedes Glaubens friedlich zusammen leben sollten um zur Selbstfindung zu gelangen. Bei der Gründung brachten die Abgesandten Erde aus ihrem jeweiligen Land mit, das in das Fundament gelegt wurde. Die Wirklichkeit zeigt sich jedoch nicht so problemlos wie geplant. Heute leben etwa 2000 Personen aus 40 Ländern hier. Die Aufenthaltsdauer ist auf 6 Monate begrenzt. 














An der Strandpromenade stehen die Denkmäler von Mahatma Gandhi und dem ersten Premierminister der weltgrößten Demokratie Nehru. 














Interessant ist der Besuch einer Cashew-Plantage. Die eigentliche Nuss ist ein Anhängsel an einer Frucht. Sie kann verschiedene Farben haben. 














In der Küstenregion wird aus Grundwasser durch Verdunstung in großen Beeten Salz gewonnen. 














Mamallapuran war einst die alte Hafenstadt der Pallava. Von hier breitete sich die indische Kultur nach Südostasien aus. Neben den Höhlentempeln sieht man hier die ältesten frei stehenden in den Fels gehauenen Stein-Tempel, zusammen seit 1983 ein UNESCO-Weltkulturerbe. Das größte Flachrelief der Erde, Arjunas Buße, erzählt von der Buße Arjunas einem der 5 Pandavas, der die Aufmerksamkeit Shivas sucht. Der Mittelspalt symbolisiert den heiligen Fluss Ganges, deshalb wird das Relief oft auch als “Herabkunft des Ganges” bezeichnet. Das Relief stellt Szenen aus dem täglichen Leben dar, erzählt aber auch Geschichten wie im Regentempel. Als ein Dorf Krishna um Hilfe bat, weil es zu viel regnete, hob Krishna den Berg hoch und stützte ihn so ab, so dass er wie ein Regenschirm für das Dorf wirkte. Verbindung mit Südostasien und Ägypten wird durch verschiedene Tiere dargestellt. 



























Die 5 Rathas (Himmlische Wagen) aus dem 7. Jahrhundert sind einmalig in ganz Indien. Nach dem Vorbild von Holztempeln wurden die Granitfelsen bearbeitet. Sie sind keine echten Tempel sondern dienten sozusagen als Modell, sind ein Freiluftmuseum der verschiedenen südindischen Tempel. Der erste ein Parvati-Tempel mit davor sitzenden Löwen. Der zweite ein Shiva-Tempel, etwas zurückversetzt sieht man Shivas Reittier den Nandi. Der dritte ist in seiner Form ein buddhistischer Tempel und der vierte wiederum ein weiter entwickelter zweistöckiger Hindutempel. Davor findet sich ein Tempel des Jainismus, dessen Dach dem Rücken eines Elefanten nachempfunden ist. Zum Vergleich steht davor ein lebensgroßer Elefant. 
















Im Fisherman´s Cove auf dem Gelände einer ehemaligen Festung erholt man sich prächtig an Palmenstränden und kann die eindrucksvolle Reise nochmals nachvoll-ziehen. Von Chennai starten wir zum Rückflug nach Frankfurt.


Süd-Indien, ein Land voller Gegensätze. Wir erlebten:

Hindu-Tempel aus vielen Zeitepochen. Leben im Kastensystem. Arm und Reich. Reizvolle fruchtbare Ebenen und Hochland. Wilde und zahme Tiere. Chaotischer Verkehr, eine Mischung aus allem was sich bewegt. Exotische Gewürze und Früchte und eine stets freundliche Bevölkerung mit dem Hang zum fotografiert werden.

 2009